Nun können wir also wieder immer mehr miteinander unterwegs sein. Und auch in der Öffentlichkeit zusammen an einem Tisch sitzen, gemeinsam Kaffee trinken oder Essen gehen.
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Den Umständen geschuldet mit Abstand und leeren Tischen dazwischen. Und wir müssen unseren Namen angeben für eine Liste der Personen über den Abend, um im Zweifel eines Corona-Falls verständigt zu werden. Und doch: wieder zusammen.
 
In der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte wird von einer Zusammenkunft erzählt. Nach der gemeinsam erlebten Himmelfahrt kehren alle zurück nach Jerusalem, versammeln sich in einem Raum des Hauses und bleiben zusammen, miteinander im Gebet. Und alle werden mit Namen genannt - okay, zumindest die Männer, bei den Frauen beschränkt sich der Text auf “die Frauen und Maria, die Mutter Jesu”. Aber immerhin... Auch hier gibt es eine Liste darüber, wer da war, das Geschehnis zu sichern und die Beteiligten für später abzuspeichern. Eben die Jüngerinnen und Jünger, die mit Jesus gelebt haben und ihn als Auferstandenen erfahren haben. Sie haben gesehen und berichten davon, geben uns Zeugnis über die Jahrhunderte hinweg.
 
Gemeinsam Erlebtes, Geschichte und Geschichten, das verbindet Menschen damals wie heute und bringt uns zusammen. Meine Erfahrungen im Glauben, meine Sehnsucht nach Sinn und Miteinander lässt mich eine Gemeinschaft suchen und leben. Und wenn das gerade nicht in der üblichen Art und Weise möglich war und ist, dann gibt mir das die Gelegenheit, mir bewusst zu werden, was ich schätze, was mir fehlt und was nicht, was ich brauche und was mich verbindet.
 
“Zusammen” erlebe ich immer wieder anders und immer wieder neu, ob im Chat oder per Telefon verbunden, ob ich mit anderen gemeinsam zum Beten oder zum Filmschauen verabredet bin, ob ich mich über sämtliche Grenzen hinweg mit Menschen im Geist verbunden fühle...
 
Und ja, jetzt wieder zusammen zu sein, so ganz direkt, mit Menschen von Angesicht zu Angesicht ist einfach nur großartig!
 
Gute Woche wünsche ich euch!
 
Photo by Mike Erskine on Unsplash
Es gibt ja verschiede Arten sich mit Texten herumzuschlagen und sich diese anzueignen…
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Der Heilige Ignatius z.B. rät, dass man, wenn man mit einem Bibeltext betet, vor seinem inneren Auge den Schauplatz bereiten soll, d.h. sich in die Erzählsituation hineinversetzen soll.
 
Was sehe ich dort?
Was höre ich?
Was rieche ich?
Wer ist dabei?
Wie fühlt sich das an?
Das funktioniert, finde ich, oft ganz gut.
 
Heute an Christi Himmelfahrt…leider nicht.
Vielleicht sind meine inneren Augen schon viel zu sehr von Comicverfilmungen verseucht. Wenn ich mir diese Himmelfahrt Jesu so vorstelle, dann sieht das leider immer aus, wie ein Superman für Arme oder ist pathetisch bis zum Geht-nicht-mehr oder beides.
Das bringt mich irgendwie nicht weiter.
 
Soll es vielleicht auch gar nicht…
…denn heute geht es viel weniger um das Gehen und viel mehr um das Bleiben.
 
Vielleicht kann ich jetzt und hier mal die ganzen schrägen Bilder in meinem Kopf zum Himmel fliegen lassen und nur die letzten Worte im Evangelium behalten. Das reicht völlig.
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 20)
Darum geht es doch. Im Himmel und auf der Erde. Immer und überall. Egal, was ich gerade sehe, höre oder rieche. Egal, wer dabei ist. Egal, wie es sich anfühlt.
 
Wenn ich ein Bild des heutigen Tages für meine comicfilmverseuchten, inneren Augen suchen müsste, dann wäre es kein fliegender Supermann, sondern eher zwei in Liebe verbundenen Menschen, bei denen der Schmerz der Trennung und die Freude des Wiedersehens in einen Augenblick fallen und sie dadurch immer erfahren, was sie aneinander haben.
 
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
 
Lass es Dir vielleicht jetzt und hier auf ganz besondere Weise zuflüstern, damit du es auch behalten kannst…
 
 
Ganz liebe Grüße
Wolfgang
 
Foto von Yogi Purnama bei unsplash

 

Vielleicht kennt ihr das auch: Menschen, die einem auch in Zeiten der Kontaktbeschränkungen zu nahekommen – ganz körperlich beim Einkaufen oder im Bus. Oder persönlich und emotional in Gesprächen, mit Themen oder Fragen. Da wünsch ich mir manchmal beinah einen „Abstandshalter“.

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Doch vielmehr als ein Zuviel an Nähe beschäftigt mich in den letzten Tagen, wie ich in Zeiten von „Abstand-Halten“ Verbindung und Miteinander leben kann. Alles passiert irgendwie „from a distance“ – Gespräche über den Bildschirm oder das Telefon, zufällige Begegnungen auf 2 Meter Abstand, angedeutete Umarmungen… Klar ist Nähe zwischen Menschen so viel mehr, als im gleichen Raum zu sein, sich unvermittelt zu sehen oder sich zu berühren. Ich kann miteinander kreativ sein und Ideen spinnen, eine gemeinsame Geschichte voller geteilter Erfahrungen haben, mich emotional einem Menschen verbunden fühlen. Das miteinander zu teilen ist wertvoll. Doch manchmal ist eine Umarmung einfach mehr als tausend Worte – und das fehlt.

Im heutigen Evangelium (Joh 14,15-21) wird die Beziehung zwischen Gott und den Menschen beschrieben, es geht um den Geist, der alle miteinander verbindet. Jesus spricht davon, dass er sich von seinen Jünger*innen entfernen wird. Doch die neue Beziehung soll kein Miteinander auf Distanz werden – Jesus beim Vater (im Himmel), die Jünger*innen in der Welt. Vielmehr spricht er von einer neuen Verbindung, in der die Grenzen beinah zu verschwimmen scheinen: Durch den Geist geschieht Miteinander und Nähe.

Ich bin froh, dass Gott nicht auf Distanz bleibt, sondern durch den Geist mir und uns nahe sein will. Und darin steckt für mich auch die Aufgabe, inmitten der Welt und der Gesellschaft zu leben, mich einzubringen in Miteinander und Zusammenleben.

Was bring ich ein ins Miteinander und wo brauch ich mehr Abstand und wann spüre ich die Nähe Gottes? Meine Fragen für die nächste Woche.

Euch eine gute Zeit, Kerstin

Mein Ohrwurm, natürlich, „from a distance“: https://www.youtube.com/watch?v=lN4AcFzxtdE

Photo by Elena Mozhvilo on Unsplash

 

Gaststätten dürfen langsam wieder öffnen, die ersten Gottesdienste laufen wieder an und die Spielplätze sind wieder zugänglich. Halleluja!
 
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Aber alles natürlich im Rahmen der vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln. Aber wie lange uns diese noch begleiten werden oder wann die nächsten Lockerungen oder auch vielleicht wieder strengeren Maßnahme kommen, das steht in den Sternen.
Fahrpläne und weit einsichtige Wege sind gerade dünn gesät.
Das mit den richtigen Wegen ist nicht immer so einfach.
Davon erzählt auch das heutige Evangelium….
 
„Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Wieder einmal ist es der gute Apostel Thomas, der die richtigen Fragen stellt. Wieder einmal sagt er das, was die anderen vielleicht auch denken, aber sich vielleicht auch nicht trauen zu fragen.
Jesus tut so, als wäre der Weg und seine Nachfolge völlig klar. Schön wär’s.
Aus Thomas spricht hier auch mein Bedürfnis im Leben und Glauben nach einem klaren Fahrplan, einer Landkarte oder einer Wegbeschreibung.
Doch Jesu Antwort hört sich gar nicht so fahrplanmäßig und klar an:
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
 
Na, toll. Wegbeschreibung? Fehlanzeige. Aber für mich ist das ein Hinweis, mich an ihn zu halten. Auf seine Begleitung zu vertrauen. Dass er in dieser ganzen Wegsuche, in dem Herausfinden, was gerade die richtigen und wahren Aussagen sind und was nicht, in meiner Sehnsucht nach mehr Leben, dass er dort überall dabei ist.
Klar, ich weiß, dass klingt leider ein wenig einfach und nach einer pastoralen Floskel.
Aber ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht und vertraue auf diese Erfahrung, dass mein Glaube, meine Christusbeziehung, mein Suchen im Gebet und das Lesen der Bibel mir Orientierung geben können.
Leider nicht immer so viel und so weit, wie ich es gerne hätte, manchmal leise, manchmal nur einen Schritt weit, manchmal lässt das auch ein wenig auf sich warten, aber doch immer wieder beständig und zuverlässig.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Ob das die Antwort ist, die Thomas hören wollte und die ich hören will?
Ich weiß nicht.
 
Aber ich weiß, dass sie genügt.
Für heute.
Und morgen frage ich mit Thomas nochmal und dann schauen wir weiter und kriegen das schon irgendwie hin.
 
Euch allen eine gute Woche. Liebe Grüße, Wolfgang
 
 
Foto: Annie Spratt - unsplash

 

Letzte Woche bin ich über ein Lied gestolpert.
 
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Wie das halt manchmal so geht, wenn man im Netz unterwegs ist – da komme ich von der Seite einer Sängerin, die ich schätze, auf deren Musikvideos und weiter… Zunächst bin ich an der Inszenierung des Videos hängen geblieben, drei Frauen, ein Klavier, ein Saxophon. Dann hat mich die Mehrstimmigkeit fasziniert und schließlich drang der Text zu mir durch. Ein Zufallstreffer, der mich bewegt, in meinen Ohren hängen bleibt, sich Raum nimmt. Da sind Worte und Klänge, die mich ansprechen und berühren.
 
Mich treffen lassen von dem, was mir begegnet, ob nun ein Lied, eine Frage, ein Thema oder auch ein Mensch – dazu brauche ich vor allem Offenheit. Sonst kann mich etwas zwar umhauen. Ob ich wirklich berührt bin, bleibt aber fraglich. Und erst wenn ich mich offen auf eine Begegnung, ein Treffen einlasse, kann Entwicklung und Veränderung geschehen. In der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2,14a.36-41) wird beschrieben, dass Worte „mitten ins Herz“ treffen. Und dass das nicht folgenlos bleibt, sondern nach einem Moment der Vergewisserung ein Handeln nach sich zieht.
 
Worte, die mitten ins Herz treffen – welche Nachricht, welches Wort, hat dich zuletzt mitten ins Herz getroffen? Konntest du innehalten oder musstest du gleich weiter? Konntest du dich mit jemanden darüber austauschen, was diese Nachricht, dieses Wort für dich und dein Leben bedeutet? Und hat es dein Handeln verändert?
 
Ich mag mir nächste Woche Zeit nehmen für das, was mich mitten ins Herz trifft. Vielleicht ja auch eine Idee für eure Woche.
 
Kerstin
Wer meinen Ohrwurm testen möchte: https://www.youtube.com/watch?v=2z2-vW8w_tM
 
Photo by Pablò on Unsplash
 
wenn du dastehen würdest… (Gedanken zu Sonntagsevangelium Joh 21, 1–14).
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wenn du dastehen würdest
herr
wie bei den jüngern am see
einfach dastehen
 
würde ich dich erkennen?
oder würde ich mich erkennen
und das netz des alltags
wie es mich wieder eingewickelt hat
eingefangen und leergepresst
als wäre nie etwas passiert
 
wenn du dastehen würdest
herr
würde ich dich erkennen?
ich weiß es nicht
 
aber ersehen
in der sorgenfülle meiner leeren netze
in der nicht enden wollenden nacht
im salz das wieder in der luft liegt
und in der bewegung des wassers
das einst meine füße wusch
 
wenn du dastehen würdest
herr
und mich einladen würdest
erneut
zum tanz auf dem see
zum schlichten mahl
und zum leeren grab
ich würde mich endlich erinnern
an eine hoffnung
die jedes netz der welt erfüllen kann
 
Liebe Grüße und eine gute Woche, Euer Wolfgang
Foto: Joshua Earle on unsplash

 

Ich mag diesen Thomas aus dem heutigen Evangelium (Joh 20, 19–31). Schon immer.
Auch oder vielleicht gerade weil er so selbstbewusst ungläubig ist. Der hat nichts Falsches gemacht. Der hat nur gesagt, was er dachte und was er brauchte. Die anderen Jünger hatten leicht reden, die hatten Jesus ja selbst gesehen. Thomas ist es, der jetzt einfach glauben soll, was die andern ihm da erzählen.

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Klar, Thomas soll jetzt ein wenig, wie Johannes, der Lieblingsjünger, sein. Der hat ja schließlich schon alles geglaubt, als er nur das leere Grab gesehen hat. Ja, ja, Johannes, du bist ja so toll!!!
 
Manchmal muss man aber auch sagen dürfen: Ich kann das nicht glauben. Ich muss es selber erfahren. Natürlich. Immer funktioniert das nicht.
 
Wenn Thomas heute sagen würde: „Ich glaube das nicht, das mit diesem komischen Corona. Ich habe es noch nie gesehen und nur, weil die anderen das sagen… Bevor ich nicht dieses Virus in meiner eigenen Lunge spüre, glaube ich nicht.“ Diese Einstellung wäre, gelinde gesagt, nicht nur ungläubig, sondern ziemlich doof.
 
In diesem Fall lohnt es sich manchmal doch ein wenig Johannes zu sein. Auf das zu vertrauen, was man an Statistiken dargestellt bekommt, was man an Indizien sieht und was einem erfahrene Menschen empfehlen.
 
Manchmal darf man Thomas sein, muss es vielleicht sogar sein. Manchmal aber auch Johannes.
 
Die Kunst ist nicht der eine oder der andere zu sein. Die Kunst ist abzuwägen, wann mich der Weg des einen und wann mich der Weg des andere zu mehr Leben, nötiger Erfahrung und Vetrauensweite führen wird.
 
Achtet kommende Woche mal darauf, wann Ihr ein Thomas und wann ein Johannes sein wollt/dürft/solltet...
 
Liebe Grüße und bis hoffentlich bald Euer Wolfgang

 

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