Ich mag diesen Thomas aus dem heutigen Evangelium (Joh 20, 19–31). Schon immer.
Auch oder vielleicht gerade weil er so selbstbewusst ungläubig ist. Der hat nichts Falsches gemacht. Der hat nur gesagt, was er dachte und was er brauchte. Die anderen Jünger hatten leicht reden, die hatten Jesus ja selbst gesehen. Thomas ist es, der jetzt einfach glauben soll, was die andern ihm da erzählen.

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Klar, Thomas soll jetzt ein wenig, wie Johannes, der Lieblingsjünger, sein. Der hat ja schließlich schon alles geglaubt, als er nur das leere Grab gesehen hat. Ja, ja, Johannes, du bist ja so toll!!!
 
Manchmal muss man aber auch sagen dürfen: Ich kann das nicht glauben. Ich muss es selber erfahren. Natürlich. Immer funktioniert das nicht.
 
Wenn Thomas heute sagen würde: „Ich glaube das nicht, das mit diesem komischen Corona. Ich habe es noch nie gesehen und nur, weil die anderen das sagen… Bevor ich nicht dieses Virus in meiner eigenen Lunge spüre, glaube ich nicht.“ Diese Einstellung wäre, gelinde gesagt, nicht nur ungläubig, sondern ziemlich doof.
 
In diesem Fall lohnt es sich manchmal doch ein wenig Johannes zu sein. Auf das zu vertrauen, was man an Statistiken dargestellt bekommt, was man an Indizien sieht und was einem erfahrene Menschen empfehlen.
 
Manchmal darf man Thomas sein, muss es vielleicht sogar sein. Manchmal aber auch Johannes.
 
Die Kunst ist nicht der eine oder der andere zu sein. Die Kunst ist abzuwägen, wann mich der Weg des einen und wann mich der Weg des andere zu mehr Leben, nötiger Erfahrung und Vetrauensweite führen wird.
 
Achtet kommende Woche mal darauf, wann Ihr ein Thomas und wann ein Johannes sein wollt/dürft/solltet...
 
Liebe Grüße und bis hoffentlich bald Euer Wolfgang