Es gibt ja verschiede Arten sich mit Texten herumzuschlagen und sich diese anzueignen…
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Der Heilige Ignatius z.B. rät, dass man, wenn man mit einem Bibeltext betet, vor seinem inneren Auge den Schauplatz bereiten soll, d.h. sich in die Erzählsituation hineinversetzen soll.
 
Was sehe ich dort?
Was höre ich?
Was rieche ich?
Wer ist dabei?
Wie fühlt sich das an?
Das funktioniert, finde ich, oft ganz gut.
 
Heute an Christi Himmelfahrt…leider nicht.
Vielleicht sind meine inneren Augen schon viel zu sehr von Comicverfilmungen verseucht. Wenn ich mir diese Himmelfahrt Jesu so vorstelle, dann sieht das leider immer aus, wie ein Superman für Arme oder ist pathetisch bis zum Geht-nicht-mehr oder beides.
Das bringt mich irgendwie nicht weiter.
 
Soll es vielleicht auch gar nicht…
…denn heute geht es viel weniger um das Gehen und viel mehr um das Bleiben.
 
Vielleicht kann ich jetzt und hier mal die ganzen schrägen Bilder in meinem Kopf zum Himmel fliegen lassen und nur die letzten Worte im Evangelium behalten. Das reicht völlig.
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28, 20)
Darum geht es doch. Im Himmel und auf der Erde. Immer und überall. Egal, was ich gerade sehe, höre oder rieche. Egal, wer dabei ist. Egal, wie es sich anfühlt.
 
Wenn ich ein Bild des heutigen Tages für meine comicfilmverseuchten, inneren Augen suchen müsste, dann wäre es kein fliegender Supermann, sondern eher zwei in Liebe verbundenen Menschen, bei denen der Schmerz der Trennung und die Freude des Wiedersehens in einen Augenblick fallen und sie dadurch immer erfahren, was sie aneinander haben.
 
„Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
 
Lass es Dir vielleicht jetzt und hier auf ganz besondere Weise zuflüstern, damit du es auch behalten kannst…
 
 
Ganz liebe Grüße
Wolfgang
 
Foto von Yogi Purnama bei unsplash